
Maskenbildnerin Yvette Orzschig im Gespräch mit Ensemblemitglied Verena Barth-Jurca . Foto: Emilie Cattin
Yvette Orzschig: Wie bist du zum Theater gekommen? – Oder besser gesagt: Zum Gesang?
Verena Barth-Jurca: Jetzt kommt die klassische Antwort: Ich habe immer gern gesungen! Ich habe sehr früh angefangen, im Nürnberger Kinderchor zu singen, der war gleichzeitig der Kinderchor der Oper. Eines meiner ersten Stücke in der Oper war „La Bohème“. Es gibt eine große Kinderchorpartie im zweiten Akt, dort singt auch die Musette ihren wunderschönen Walzer „Quando men vo“. Ich war unglaublich fasziniert von dieser Auftrittsarie, ging dann zu meiner Gesangslehrerin und sagte: „Das will ich singen!“ – Sie hat erstmal gelacht und meinte, ich müsste meine Stimme aufbauen und ausbilden. Das hab ich dann gemacht, und mit dem Studium im Wien professionalisiert.
YO: Und in Wien zu studieren ist für Operette natürlich perfekt.
VBJ: Ja, absolut. Deswegen wollte ich unbedingt in Wien studieren. Auch weil ich das Tanzen sehr liebe und eine Tanzausbildung dort machen konnte. In der Operette kann man das Singen und das Tanzen perfekt verbinden. Deshalb sind Operette und Musical wirklich meine große Leidenschaft. Besonders die klassischen Musicals finde ich zauberhaft: „My Fair Lady“, „West Side Story“, „Show Boat“ oder die Musicals von Porter und Gershwin.
YO: Du hast in deiner ersten Spielzeit hier an der MuKo, wie alle Kolleginnen und Kollegen auch, sehr viel zu tun. Ich frag mich immer, wie ihr euch die vielen Texte und Schritte für die Inszenierungen so gut merken könnt?
VBJ: Ich habe tatsächlich 6 Rollendebüts, das ist wirklich eine Menge! – Aber man darf nicht den ganzen Berg sehen. Man muss alles stückweise lernen. Wenn ich alles auf einmal versuchen würde zu lernen, dann würde ich wahnsinnig. Bisher habe ich als freiberufliche Sängerin gearbeitet, und wir hatten keine Wiederaufnahmen, wo man nur ein paar Proben hatte, um ein ganzes Stück zu lernen. Wir haben geprobt, die Premiere gehabt, das Stück einige Male gespielt, und dann kam erst die nächste Produktion. Trotzdem kann ich sagen, dass ich viele Soubrettenpartien schon gesungen habe, das ist ein großer Erfahrungsschatz, auf den man immer wieder zurückgreifen kann.
YO: Dann muss das feste Engagement doch eine Umstellung für dich sein?
VBJ: Es war schon eine Umstellung, aber es ist einfach total schön jetzt wieder eine Basis zu haben. Vor allem, sich wieder ein Zuhause einrichtigen zu können, im gleichen Bett schlafen, nicht ständig von Hotel zu Hotel reisen …das ist ein großer Vorteil!
YO: Da hast dir mit Leipzig auch eine wirklich schöne Stadt ausgesucht!
VBJ: Das Finde ich auch! Die letzten 7 Jahre habe ich Wien gelebt und Leipzig erinnert mich ein wenig daran: Schöne Viertel, gemütliche Cafés …die Leipziger lassen sich’s auch gut gehen.
YO: Leipzig wird nicht umsonst „Klein Paris“ genannt!
VBJ: Ja, das passt gut. Leipzig ist eine Stadt zum Wohlfühlen. Das fiel mir hier nicht schwer. Wobei, ich sag immer, dass mein Zuhause dort ist, wo meine Sachen stehen. Das ist, glaube ich, eine recht typische Einstellung von Sängern. Nun bin ich froh, dass meine Sachen in Leipzig sind. Nur meine Freunde vermisse ich manchmal, aber sie sind ohnehin in der ganzen Welt verstreut. So ist das eben in unserem Beruf.
YO: Aber in unserer vernetzen Welt gibt es ja heute viele Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben.
VBJ: Ja,, das ist sehr einfach geworden. Man muss aber der Typ dafür sein, dieses Leben zu akzeptieren und die Freundschaften so zu pflegen. Es war mir vor dem Studium schon bewusst, dass das einfach ein Wanderleben ist als Sängerin.
YO: Und morgen hast du Proben als Dorothee in „Der Zauberer von Oss“ – eine riesige Rolle! Ich habe über die Jahre einige Dorothee-Darstellerinnen hier geschminkt. Wir in der MuKo wissen wenn „Oss“ läuft ist Weihnachten nicht mehr weit! Die Kinder finden es jedes Jahr wieder toll. Es gibt ja den Löwen, der fragt immer „bin ich eine Löwe oder bin ich eine Maus?“ – Und natürlich antworten alle Kinder: „Eine Maus, eine Maus!“ Es ist wunderbar zu sehen, wie alle mitspielen und mitfiebern.
VBJ: Ich freue mich sehr, ich bin gespannt, wie die Stimmung im Saal sein wird.
YO: Du singst auch in der „Zirkusprinzessin“. Ich weiß, dass deine Mutter da war, um dein Rollendebüt zu sehen. Hat sie dich mit blonder Perücke gleich erkannt?
VBJ: Meine Mama war ganz begeistert, sie kommt heute Abend gleich nochmals. Und natürlich hat sie mich sofort erkannt. Hinterher sagte sie mir, dass mir blond sogar sehr gut stehen würde.
YO: Ja, mir gefällt das auch sehr! Das hätte ich, ehrlich gesagt, nicht gedacht. Bei manchen Dunkelhaarigen passt eine blonde Perücke nicht immer. Aber das ist eben auch Theater, immer bereit für Verwandlungen zu sein!
VBJ: Meine Freundin meinte einmal, als ich sie in die Maske mitgenommen habe, dass am Theater wohl immer Fasching sei! Und ja – ein bisschen hat sie sogar recht. Und wenn man das nicht mag, ist man hier wohl falsch.