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Gute Frau? Böse Frau? Egal, Hauptsache sie stirbt.

Ein kleiner Exkurs über das starke schwache Geschlecht in der Oper von Philipp Amelungsen

Sie singen. Singen um ihr Leben. Am Ende nützt es ihnen nichts. Sie müssen sterben. Frauengestalten in der Oper? – Arme Opfer kruder Männerphantasien. Sie kämpfen stundenlang – hangeln sich von Note zu Note – um Liebe und/oder Freiheit. Sexuell irritierte Librettisten führen sie jedoch immerfort in die Katastrophe: Krankheit (z.B. Schwindsucht als sehr beliebte Paraphrase für Syphilis), Ehrenmord, Wahnsinn mit Todesfolge, Suizid, Hinrichtung – die Formen des Metzelns kennen keine Grenzen. Je absurder desto besser. Auch Hugo von Hofmannsthal, verantwortlich für den Text von sechs Strauss-Opern, ist zu kreativer Hochform aufgelaufen, wenn es darum ging, seine Heldin Elektra möglichst exotisch unter die Erde zu bringen. Elektra – ein aufgewecktes etwas schwermütiges Mädchen aus schwierigem Elternhaus. Die gesamte Familie Atreus – verflucht noch mal – hat große Freude daran, sich gegenseitig abzuschlachten. Die Tochter ist keine Ausnahme und sorgt mit Hilfe ihres Bruders Orest für den schnellen Exitus der eigenen Mutter. In voller Freude über die geglückte Rache verfällt Elektra in einen somnambulen Freudentanz bis sie schließlich kollabiert und? – Na klar: tot zusammenbricht. Ergänzen wir unsere Liste um „Tod durch Tanzen“. Tot ist allerdings nicht gleich tot und Frau schon gar nicht Frau. Soll heißen: Nicht jeder Dame ist eine spannende Art zu sterben vergönnt. Die wirklich verrückten Tode sind nur den verheerenden Frauen – den femmes fatales – zugedacht. Sie sind sinnlich, verführerisch und qua Opernsozialgefüge Zigeuner oder Prostituierte. Zumindest in keinem etablierten Milieu zu finden. Es sei denn sie sind von Adel, dann darf man besonders zickig oder mordlüstern sein. Als Alptraum jeder Schwiegermutter betört sie das vermeintlich starke Geschlecht und stachelt es zu großen Heldentaten auf, die sich im Zweifel als großer Reinfall entpuppen. Die Strafe, wie wir wissen ist grausames, tragisches, oft auch langsames Dahinscheiden.

Man sieht, nicht jeder Dame ist ein sanfter Tod durch Krankheit oder Weltschmerz vergönnt. Nein: Nur die Guten sterben schön. Schön sind zerbrechliche Frauen – die femmes fragiles. Sie zeichnen sich durch ein möglichst blasses Erscheinungsbild aus. Unterstützt mit einen schönen weißen Flatterkleid. Das hat zudem den Vorteil, dass Theaterblut noch drastischer auf weißer Seide zum Tragen kommt. Und Theaterblut muss reichlich fließen. Man stirbt schließlich nur einmal! Alleine leiden und schmachten ist allerdings doof. Daher projiziert der geneigte Librettist sein komplettes Arsenal an angestautem Testosteron auf eine Männerfigur seiner Wahl: Brotloser Künstler, exotischer Prinz, Soldat im Fronturlaub, etc. – wichtig ist: stark und männlich muss er sein. Denn die femme fragile muss beschützt werden, um am Ende in starken, muskulösen Armen zu vergehen. In Praxi sind Tenorarme leider selten muskulös, auch bei den Damen wird man von Zeit zu Zeit feststellen, dass zart und filigran sehr dehnbare Begriffe sind. Schließlich ist es aber egal, ob weibliche Konstruktion oder Dekonstruktion. Die Frau in der Oper ist dafür vorgesehen, am Ende in der Versenkung zu landen. Ich unterstelle den Librettisten der Zeit einen kleinen perfiden Wettbewerb: Gewonnen hat jener mit dem verrücktesten Exitus. Die Gunst des Publikums entscheidet, das ist aber wankelmütig, und so kämpfen sie immerfort. Halten wir also fest: Manchmal ist Oper ziemlich absurd, aber letztlich immer zum Sterben schön.

5 Kommentare zu »Gute Frau? Böse Frau? Egal, Hauptsache sie stirbt.«

  1. Moritz Finkel am 16. März 2011 um 17:03 Uhr | Link

    Sorry, aber Kenntnislosigkeit wird durch einen flapsigen Tonfall auch nicht besser. Dieser Text atmet leider aus jeder Pore schlimmsten Dilettantismus und ist dabei im Grunde furchtbar unoriginell (auch, wenn der Stil was anderes behauptet).

    Nebenbei: Kann nicht nochmal jemand drüberlesen, bevor der Text online geht, und zumindest die schlimmsten Rechtschreibfehler ausmerzen?

  2. redakteur am 16. März 2011 um 17:18 Uhr | Link

    Lieber Herr Finkel, erstmal vielen Dank für ihr Feedback.
    unsere Kolumne ist nicht unbedingt der geeignete Ort für eine fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung. Dafür haben wir schöne Rahmenveranstaltungen, wie OPER DURCHDACHT oder auch unsere Werkeinführungen. Da gehen wir in die Tiefe – freuen uns über Diskussionen. Eine Kolumne hingegen darf – unserer Meinung nach – auch etwas heiterer sein – und ja: sie darf manchmal auch flapsig sein. Vielleicht sogar dilletantisch klingen. Denn wie Sie sicherlich wissen, ist ein Dilletant jemand, der sich erfreuen kann. Ich erfreue mich an Oper und erfreue mich hin und wieder auch daran, nicht immer alles ernst nehmen zu müssen.

    Übrigens: Origniell oder nicht originell? War das nicht schon immer die Frage an der sich die Geister schieden?

    Als kleiner versöhnlicher Kompromiss: Am 26.03. findet aus der erwähnten Reihe OPER DURCHDACHT eine Veranstaltung zur ELEKTRA statt. Ich lade Sie herzlich ein vorbeizu kommen und dann mit uns über das spannende Feld der Weiblichkeitskonstruktionen im Musiktheater zu diskutieren. Schreiben Sie mir einfach eine Mail.

    In der Hoffnung auf ein spannendes Gespräch grüßt Sie herzlich
    Philipp Amelungsen

  3. Gunter Berndt am 16. März 2011 um 18:25 Uhr | Link

    It has always astonished me that guys like Mozart, Rossini or Bellini tolerated such inferior librettos. I go to hear the music and, of course, the glorious singing of the principals, everything else is “nebensache”. It even annoys me when my favorite mezzo has to undergo a virtual sex-change to fulfill the requirements of a trouser role.

  4. karin held am 17. März 2011 um 16:05 Uhr | Link

    bravo, philipp – ich fand’s super!
    herzliche grüsse,
    karin

  5. Ursula Meinke am 17. März 2011 um 23:51 Uhr | Link

    @ Herrn Amelungsen: ich kann mich Frau Held nur anschließen: SUPER! Einfach kurzweilig und amüsant. Frau in der Oper zu sein, ist schon tragisch, es sei denn frau ist eine Soubrette. Und eine Bemerkung erlaube ich mir noch. Besser ein Kompliment- toll gekontert was Herrn Finkel anbelangt. Auch das kann ich nur unterstreichen.

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