Leipziger Ballett
Das Leipziger Ballett wird mit der "Großen Messe" auch in São Paulo gefeiert. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen sind derweil für alle ungewohnt...
Donnerstag, 22. September 11

Aufgang„Theatro Municipal“
Auch die erste Vorstellung im ausverkauften „Theatro Municipal“ (1500 Plätze!) in São Paulo war ein riesiger Erfolg. Stehende Ovationen und für São Paulo ungewöhnlich langanhaltender und herzlicher Applaus!
Die kleinen und großen Probleme während des Aufbaus der Bühne haben unsere Techniker natürlich ganz wunderbar in den Griff bekommen! Auch hier, wie in Bogotá, gab es eine ganz besondere Spannung und Konzentration im Zuschauerraum.
Natürlich hat die Millionen-Metropole Brasiliens einiges spannendes

Bodyguards beschützen die Comapny.
und kurioses für uns bereit gehalten. Schon der Weg von Hotel zum „Theatro Municipal“ war etwas speziell. Ist der 650 Meter lange Weg tagsüber ungefährlich, ändert sich das mit Einbruch der Dunkelheit drastisch. So war es uns vor der Vorstellung nicht erlaubt, den kurzen Weg alleine zu gehen. Vor dem Hotel standen schon Bodyguards und egal ob man alleine, zu zweit oder in einer Gruppe gegangen ist, wurde man von mindestens drei Guards begleitet. Eine Erfahrung, die sehr nachdenklich macht…
Diese kleinen Momente des Unbehagens waren aber im Moment der Vorstellung schnell vergessen. Wir sind alle sehr glücklich über den mehr als positiven Zuspruch.
Noch ein kleines Schmankerl aus Bogotá: Der Rückblick unserer Maskenbildnerinnen Jenny Rosenberg und Sina Ronniger:
“Seit unserer Ankunft in Bogotá fühlen wir uns ein wenig „high“! Vermutlich liegt das an der dünnen Luft in 2500 Metern über dem Meeresspiegel. Die Luft wirkt auf uns wie Lachgas. Wir Kichern und Lachen unheimlich viel, vielleicht auch, weil alles – im Gegensatz zu Europa – etwas kurios wirkt. Aber genauso kurios, wie die Kolumbianer auf uns wirken, wirken wir wohl auch auf sie: Für heimische Verhältnisse sind wir nicht sehr groß, dennoch überragen wir hier fast alle Menschen um einen Kopf. Unsere hellen Haare strahlen hervor aus dem samtenen Schwarz dunkler Köpfe. Unser Lachen steckt an. Wir bekommen stets ein freundliches Grinsen zurück. Alle Menschen sind sehr freundlichen und zuvorkommend.
Die Stadt ist ein Abenteuer. Wir halten ein kleines gelbes Taxi an. Der Fahrer hat mindestens vier Namen, das klingt beeindruckend – fein auf sein Namenschild graviert. Unser Fahrer heißt Rodrigez Asuncion German (bedeutet nicht „deutsch“) Ramirez. Er fährt wie der Teufel. Er hupt, drängelt und überholt rechts. Wir versuchen ein paar Fotos aus dem Fenster zu schießen: verwackelte, wilde Linien. Sie gelingen zu moderner Kunst. Die eigenwillige Architektur der Stadt verschwimmt zu bunt-rasenden Streifen. Plötzlicher Stopp, eine rote Ampel! – Straßenhändler mit Obst oder Wasser kommen zu uns ans Fenster. Wir kaufen nichts, dürfen nichts kaufen, die Türen und Fenster dürfen nicht geöffnet werden. Die wundervollen Früchte bleiben zurück. Was für Früchte! Kaum zu glauben, wie viele Sorten an Früchten man hier kaufen kann, schon allein unser Reiseführer listet dreißig verschiedene Sorten. Jedes Frühstück wird zum Abenteuer des Versuchens: Manche Frucht ist außerirdisch schleimig, andere süß, die nächste labberig, die Meisten aber wirklich köstlich. — Angekommen in der Altstadt: Immer noch haben wir Schals vor dem Gesicht. Smog. Der wird egal, denn wir sind verzaubert vom Flair der niedrigen, buntbemalten Häuser. Sie sind geschmückt mit kunstvoll geschnitzten, hölzernen Fensterläden. Gründungskern Bogotás – die 12 ältesten Häuser stehen noch. Wir sehen ein paar Politiker zum Parlament laufen. Vier Männer in Anzügen, von ebensoviel Feuerpistolen bewaffneten Leibwächtern umringt. An den Anblick von großen Waffen mussten wir uns erst gewöhnen: an allen Ecken steht Militär, Private-Security oder Polizei. Auch unser Hotel ist überwacht. In einer kleinen versteckt gelegenen Kirche, „Santa Clara“, genießen wir einen Moment der Ruhe. Aus dem Halbdunkel tauchen Bilder und Skulpturen auf, jeder Flecken ist gemustert und über uns wölbt sich eine Decke, die besetzt ist von goldenen Sternen. Wir atmen durch, bevor wir uns wieder nach draußen wagen. Die Luft ist immer noch dünn, sie drückt. Wir sind gespannt, mit welchen Namen der nächste Taxifahrer uns begrüßt.”
Jenny Rosenberg und Sina Ronniger || Maskenbildnerinnen