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Musikalische Komödie

BEST OF POETRY SLAM IN DER MUKO

Bald ist es soweit! Am 19. April um 20 Uhr öffnet die MuKo ihre Pforten zum ersten Mal für einen POETRY SLAM. Für den Wettstreit um das kreative Wort haben sich die Besten der Szene angekündigt. Besonders freuen wir uns auf Michel Abdollahi, einen der bekanntesten nationalen Slammer und Grandseigneur der Moderation mit Homebase in Hamburg. Organisatorin Anna Evans hat schon vorab mit ihm über das Slammen und den Slam in der MuKo gesprochen.

Michel Abdollahi // Foto: Jan-Brandes

> 1. Auf deiner Webseite muss man dir erst seine Lieblingsfarbe verraten, um dir eine Nachricht zu schicken. Was ist deine Lieblingsfarbe?
< Immer schon gelb.

> 2. Ist die Lieblingsfarbe eine wichtige Information?
< Ist sie gar nicht.

> 3. Manche wunder sich, wieso die Muko jetzt “Poetry Slams” veranstaltet. Normalerweise stehen Operette auf dem Spielplan. Ist das wirklich verwunderlich?
< Kunst ist Kunst. Slam ist doch nicht schmuddelig. Warum sollen wir dann zwischen den Häusern trennen! Eine coole Location, wird durch coole Leute noch cooler.

> 4.Du bist selber Autor von Slamtexten, aber auch MC, also Moderator, von Slam-Abenden und ziehst dort die Fäden. Was ist dir lieber?
< Lieber auf den Bahamas chillen und ein wenig lesen. Aber Fäden ziehen ist auch ganz ok!

> 5. Sieht man nach so vielen Slams eine Entwicklung der Kunstform? Wird es z.B. brutaler oder die Konkurrenz härter?
< Slam ist mittlerweile wie die US-Regierung: brutal, hart, mainstream, weltweit operierend und es gibt kein entkommen. Es ist die große Freiheit.

> 6. Du kennst alle Slammer, die hier am 19ten April auftreten. Was kann das Leipziger Publikum erwarten?
< Es sind richtig tolle Autoren dabei! Von einem lyrischen Feuerwerk bis hin zu Chopins Klavierkonzert in es-moll. Alles kann, nichts muß. Ich freue mich riesig mit dem Publikum zusammen diesen wundervollen Künstlern zuzuhören.

> 7. Hast du ein Tipp, wer gewinnt?
< Am Ende gewinnt immer das Publikum. Denn sie gehen glücklich von dannen. Aber im Zweifel immer Andy Strauß.

> 8. Dank Poetry Slams ist Lyrik wieder im Trend. Könnte es auch einen “Operetten Slam” geben? Meiner Meinung nach ist es an der Zeit der Operette ein “rebirth of the cool” zu verleihen
< Die Operette ist cool! Klar, warum soll es nicht funktionieren? Wir veranstalten in Hamburg seit Jahren einen “Theater Slam” und der ist immer voll. Auf der Hauptbühne! Hat zuerst auch keiner dran glauben wollen…

>9. Viele von unserem Publikum waren noch nie in einem Poetry Slam. Wie haben Sie sich zu benehmen?
< Es gibt verschiedene Benimmregeln auf einem Slam:

Regel 1: Keine Glasflaschen im Saal.
Regel 2: Keine Waffen.
Regel 3: Kleidung – chic aber legere.
Regel 4: Nicht übertreiben.
Regel 5. Spaß ja, aber bitte kontrolliert.

> 10. Du trinkst bekanntlich Prosecco auf der Bühne und trägst öfters Smoking – fühlst du dich so wohler als MC? Ziemlich schick für einen Hamburger Jung.
< Als ich den Slam Anfang der 70er (Hamburger Abendblatt) im Smoking nach Europa brachte, setze ich mir ein wichtiges Ziel: guter Schaumwein ist nie zu vernachlässigen, genauso ein gepflegtes Äußeres, saubere Haut und geputzte Schuhe. Mein Spitznamen, das Chamäleon, bekam ich damals, weil ich eins mit Interieur wurde. Schönes Haus, schöne Sachen. Oder auch nicht.

> 11. Du moderierst mittlerweile die grössten Slams Deutschlands. Im Vergleich dazu ist unserer ziemlich klein … Macht das einen grossen Unterschied?
< Ich freue mich riesig auf Leipzig! Was will man mehr, als in ein so schönes Haus eingeladen zu werden? Wenn die Leute toll sind, wird der Abend groß. Und das wird er bestimmt!

Das Interview führte Anna Evans.

Weitere Informationen:
http://oper-leipzig.de/musikalische-komoedie/veranstaltung/details/slam-the-muko-best-of-poetry-slam/

Musikalische Komödie

Der Graf ist los!

Für alle die es nicht mehr abwarten können: am 1. Februar zeigen die Künstler aus »Der Graf von Monte Christo« in der Moritzbastei ein Best-Of der Show.

Endspurt: Mitarbeiter der MuKo können kaum noch ruhig schlafen, denn wir sind in der heißen Probenphase! Am Samstag feiert das Wildhorn-Musical »Der Grad von Monte Christo« Deutschlandpremiere. Die Darsteller lassen es sich trotzdem nicht nehmen, ihrem Publikum einen kleinen Einblick in das anstehende Bühnenspektakel zu geben und zeigen am 1. Februar Ausschnitte aus dem Musical. Auf der Bühne der Moritzbastei stehen für Euch: Marc Clear als Edmont Dantès, Marysol Ximénez-Carrillo als Mercédès und Sabine Töpfer als verführerische Piratenanführerin Louisa Vampa. Die kleine Band wird angeführt von musikalischem Oberleiter Stefan Diederich am Klavier. Los geht’s um 21 Uhr. Eintritt frei! – Wir freuen uns auf euch.

Musikalische Komödie

Von „historisch stimmig“ bis „Augenzwinkern“

Kostüme für die Deutsche Erstaufführung des Musicals „Der Graf von Monte Christo“

Populärer kann ein Graf kaum sein. Man begegnet ihm in Bibliotheken, Abteilung Abenteuerliteratur, oder im Kino in zahlreichen Verfilmungen. Neuerdings ist er auch als Musicalheld zu erleben, mit dem man nach Herzenslust lieben, leiden und hassen kann. Die Musikalische Komödie präsentiert am 4. Februar die Deutsche Erstaufführung des Musicals von Frank Wildhorn, das mit rasanten Kampf- und Fechtszenen, berührender Romantik und flotter Musik beste Unterhaltung verspricht.
Wie der Roman von Alexandre Dumas erzählt es die Geschichte von Edmond Dantès, der das Opfer einer Intrige wird. Auf seiner Verlobungsfeier wird er unschuldig verhaftet und auf die berüchtigte Gefängnisinsel Château d’If gebracht. Während er sein Leben im Kerker fristet, erleben die skrupellosen Intriganten einen gesellschaftlichen Aufstieg. An einen von ihnen verliert Dantès seine große Liebe Mercédès. Als ihm nach vielen Jahren die Flucht gelingt, schwört er bittere Rache. Mit Hilfe eines Schatzes, den ihm ein Mitgefangener vererbt, setzt er als geheimnisvoller „Graf von Monte Christo“ seine Pläne in die Tat um.
Nach dem Erfolg mit Wildhorns „Jekyll & Hyde“ bringt die Musikalische Komödie ein weiteres Musical des bekannten amerikanischen Komponisten auf die Bühne. Auch das Inszenierungsteam und die Besetzung der Hauptrollen sind die gleichen wie bei „Jekyll & Hyde“. Als Edmond Dantès ist Marc Clear zu erleben und als Mercédès Marysol Ximenez-Carrillo. Regie führt Cusch Jung, die musikalische Leitung hat Chefdirigent Stefan Diederich. Karin Fritz hat das Bühnenbild entworfen, Sven Bindseil eine Vielzahl an opulenten Kostümen. Über seine Arbeit daran gab der Bühnenbildner im folgenden Gespräch Auskunft.

Prüfender Blick: Sven Bindseil (Bildhintergrund) bei einer Anprobe mit Marysol.

Wie viele Kostüme werden für diese Produktion benötigt?
Gut 200 Kostüme werden auf der Bühne sein, davon 80 – 90 für den Chor, ca. 70 Ballettkostüme, fast 50 für die Solisten und einige für die Statisterie. Die meisten werden neu angefertigt; insbesondere die Kostüme für die Solisten sind Maßanfertigungen. Für das Piraten- und das Karnevalsbild werden Kostüme aus dem Fundus verwendet, aber neu angepasst und bearbeitet. Dazu kommen extra hergestellte Hüte und Schuhe sowie Schmuck, Accessoires und Waffen…

Wieviel Zeit vergeht von der ersten Beschäftigung des Kostümbildners mit dem Stück bis zum fertigen Kostüm?
Für ein Stück dieser Größenordnung dauert das etwa 1 Jahr. Das bedeutet ca. 3 – 6 Monate für die Entwurfsarbeit und ein gutes halbes Jahr in der Kostümabteilung, von der Abgabe der Entwürfe bis zur Premiere. Die reine Werkstattarbeit umfasst ca. 3 – 4 Monate.

Wie viele Anproben der Kostüme mit den Darstellern finden statt?
Jeder Künstler hat mindestens eine Anprobe, bei den Herren reicht das häufig; Frauen haben meistens eine zweite und z. T. noch eine dritte bei komplizierten Kostümen. Pro Kostüm dauert das 15 – 20 Minuten. Die beiden Hauptdarsteller im „Graf von Monte Christo“ haben jeweils acht Kostüme. Also kann man die erste Anprobe mit 2 – 3 Stunden veranschlagen, was auch für die Künstler ziemlich anstrengend ist.

Wie historisch genau werden die Kostüme sein und wo erlaubt sich der Kostümbildner Freiheiten?
Das Stück ist historisch in einem Zeitrahmen von 1815 (zu Beginn) und 1838 (am Schluss) festgelegt. Daher konnte ich mich intensiv mit der Epoche des ausgehenden Empire bzw. des Biedermeier auseinander setzen. Diese Recherchearbeit ist mittlerweile fast meine Lieblingstätigkeit in diesem Beruf – das Suchen nach Bildmaterial, um Vorbilder zu finden. Ich möchte schon, dass das Kostüm in der Erscheinung historisch stimmig ist, aber immer mit dem Blick von heute und für Menschen von heute.
Der Graf von Monte Christo selbst ist eher eine Märchenfigur, da kann ich auch viel freier und historisch „ungenauer“ sein. Auf jeden Fall muss er eine geheimnisvolle, fremde Aura haben. Richtig austoben kann ich mich aber in der Piratenszene, weil das eher „Show-Piraten“ sind, die mir Anachronismen und Augenzwinkern ermöglichen.

Oper

Jekyll/Hyde Darsteller Marc Clear wieder in der MuKo!

Unsere „Jekyll und Hyde“ Fans werden sich freuen: Marc Clear, Marysol Ximénez-Carrillo, und Regisseur Cusch Jung sind wieder in der Musikalischen Komödie! Sie proben gerade für die deutsche Erstaufführung des Musicals „Der Graf von Monte Christo“ am 4. Februar 2012.

En garde! - Hauptdarsteller Marc Clear bekommt für "Monte Christo" Fechtstunden.

„Monte Christo“ wird mindestens genauso spektakulär wie die erste Musicalproduktion („Jekyll und Hyde“) von Cusch Jung im Haus Dreilinden! Das Erfolgsmusical von Frank Wildhorn begeistert seit der Premiere 2010 immer wieder unser Publikum und sorgt stets für ein ausverkauftes Haus.

Auch der „Der Graf von Monte Christo“ ist von Wildhorn und verspricht hochemotionale Musik mit spektakulärer Szenerie. Marc Clear, wieder in der Hauptrolle, probt täglich nicht nur Musik und Choreographie mit seinen Bühnenkollegen, sondern auch die Kampkunst: Die Fechtszenen sind nicht einfach nachgeahmt oder choreographiert, sondern mit einem Fecht-Trainer einstudiert. Bleibt nur zu hoffen, dass genug Pflaster und Verbandszeug vorrätig ist :-) …

Musikalische Komödie

Ein neues Zuhause: Von Wien nach Leipzig.

Die junge Sopranistin Verena Barth-Jurca wurde in Rumänien geboren, ist in Nürnberg aufgewachsen und hat in den letzen 7 Jahren in Wien gelebt. Seit dieser Spielzeit gehört sie zum festen Ensemble der Musikalischen Komödie und hat in Leipzig ein neues zu Hause gefunden. Im Gespräch mit Maskenbildnerin Yvette Orzschig plaudert sie über das Wanderleben einer Sängerin und ihre ersten Eindrücke von Leipzig.
Am heutigen Freitag, den 2. Dezember, ist Verena erstmals als Dorothy in „Der Zauberer von Oss“ zu sehen.

Maskenbildnerin Yvette Orzschig im Gespräch mit Ensemblemitglied Verena Barth-Jurca . Foto: Emilie Cattin

Yvette Orzschig: Wie bist du zum Theater gekommen? – Oder besser gesagt: Zum Gesang?

Verena Barth-Jurca: Jetzt kommt die klassische Antwort: Ich habe immer gern gesungen!  Ich habe sehr früh angefangen, im Nürnberger Kinderchor zu singen, der war gleichzeitig der Kinderchor der Oper. Eines meiner ersten Stücke in der Oper war „La Bohème“. Es gibt eine große Kinderchorpartie im zweiten Akt, dort singt auch die Musette ihren wunderschönen Walzer „Quando men vo“. Ich war unglaublich fasziniert von dieser Auftrittsarie, ging dann zu meiner Gesangslehrerin und sagte: „Das will ich singen!“ – Sie hat erstmal gelacht und meinte, ich müsste meine Stimme aufbauen und ausbilden. Das hab ich dann gemacht, und mit dem Studium im Wien professionalisiert.

YO: Und in Wien zu studieren ist für Operette natürlich perfekt.

VBJ: Ja, absolut. Deswegen wollte ich unbedingt in Wien studieren. Auch weil ich das Tanzen sehr liebe und eine Tanzausbildung dort machen konnte. In der Operette kann man das Singen und das Tanzen perfekt verbinden. Deshalb sind Operette und Musical wirklich meine große Leidenschaft. Besonders die klassischen Musicals finde ich zauberhaft: „My Fair Lady“, „West Side Story“, „Show Boat“ oder die Musicals von Porter und Gershwin.

YO: Du hast in deiner ersten Spielzeit hier an der MuKo, wie alle Kolleginnen und Kollegen auch, sehr viel zu tun. Ich frag mich immer, wie ihr euch die vielen Texte und Schritte für die Inszenierungen so gut merken könnt?

VBJ: Ich habe tatsächlich 6 Rollendebüts, das ist wirklich eine Menge! – Aber man darf nicht den ganzen Berg sehen. Man muss alles stückweise lernen. Wenn ich alles auf einmal versuchen würde zu lernen, dann würde ich wahnsinnig. Bisher habe ich als freiberufliche Sängerin gearbeitet,  und wir hatten keine Wiederaufnahmen, wo man nur ein paar Proben hatte, um ein ganzes Stück zu lernen. Wir haben geprobt, die Premiere gehabt, das Stück einige Male gespielt, und dann kam erst die nächste Produktion. Trotzdem kann ich sagen, dass ich viele Soubrettenpartien schon gesungen habe, das ist ein großer Erfahrungsschatz, auf den man immer wieder zurückgreifen kann.

YO: Dann muss das feste Engagement doch eine Umstellung für dich sein?

VBJ: Es war schon eine Umstellung, aber es ist einfach total schön jetzt wieder eine Basis zu haben. Vor allem, sich wieder ein Zuhause einrichtigen zu können, im gleichen Bett schlafen, nicht ständig von Hotel zu Hotel reisen …das ist ein großer Vorteil!

YO: Da hast dir mit Leipzig auch eine wirklich schöne Stadt ausgesucht!

VBJ: Das Finde ich auch! Die letzten 7 Jahre habe ich  Wien gelebt und Leipzig erinnert mich ein wenig daran: Schöne Viertel, gemütliche Cafés …die Leipziger lassen sich’s auch gut gehen.

YO: Leipzig wird nicht umsonst „Klein Paris“ genannt!

VBJ: Ja, das passt gut. Leipzig ist eine Stadt zum Wohlfühlen. Das fiel mir hier nicht schwer. Wobei, ich sag immer, dass mein Zuhause dort ist, wo meine Sachen stehen. Das ist, glaube ich, eine recht typische Einstellung von Sängern. Nun bin ich froh, dass meine Sachen  in Leipzig sind. Nur meine Freunde vermisse ich manchmal, aber sie sind ohnehin in der ganzen Welt verstreut. So ist das eben in unserem Beruf.

YO: Aber in unserer vernetzen Welt gibt es ja heute viele Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben.

VBJ: Ja,, das ist sehr einfach geworden. Man muss aber der Typ dafür sein, dieses Leben zu akzeptieren und die Freundschaften so zu pflegen. Es war mir vor dem Studium schon bewusst, dass das einfach ein Wanderleben ist als Sängerin.

YO: Und morgen hast du Proben als Dorothee in „Der Zauberer von Oss“ – eine riesige Rolle!  Ich habe über die Jahre einige Dorothee-Darstellerinnen hier geschminkt.  Wir in der MuKo wissen wenn „Oss“ läuft ist Weihnachten nicht mehr weit! Die Kinder finden es jedes Jahr wieder toll.  Es gibt ja den Löwen, der fragt immer „bin ich eine Löwe oder bin ich eine Maus?“ – Und natürlich antworten alle Kinder: „Eine Maus, eine Maus!“  Es ist wunderbar zu sehen, wie alle mitspielen und mitfiebern.

VBJ: Ich freue mich sehr, ich bin gespannt, wie die Stimmung im Saal sein wird.

YO: Du singst auch in der „Zirkusprinzessin“. Ich weiß, dass deine Mutter da war, um dein Rollendebüt zu sehen. Hat sie dich mit blonder Perücke gleich erkannt?

VBJ: Meine Mama war ganz begeistert, sie kommt heute Abend gleich nochmals. Und natürlich hat sie mich sofort erkannt. Hinterher sagte sie mir, dass mir blond sogar sehr gut stehen würde.

YO: Ja, mir gefällt das auch sehr! Das hätte ich, ehrlich gesagt, nicht gedacht. Bei manchen Dunkelhaarigen passt eine blonde Perücke nicht immer. Aber das ist eben auch Theater, immer bereit für Verwandlungen zu sein! 

VBJ: Meine Freundin meinte einmal, als ich sie in die Maske mitgenommen habe, dass am Theater wohl immer Fasching sei!  Und ja – ein bisschen hat sie sogar recht. Und wenn man das nicht mag, ist man hier wohl falsch.

Musikalische Komödie

Ein gelebtes Bühnenleben.

Die Sängerin Margarete Junghans ist seit 1974 Solistin im festen Ensemble an der MuKo. Angefangen hat sie als Soubrette, seit einigen Jahren sieht man sie im komischen Charakterfach. Am 27ten November nimmt sie Abschied von der Bühne, auf der sie über 37 Jahre und in über 2000 Vorstellungen gespielt und gesungen hat. Die amerikanische Sängerin Jennifer Porto, erst seit 6 Jahren in Deutschland und jetzt seit 3 Jahren als Sopran im festen Ensemble an der Oper Leipzig, lädt Frau Junghans zum Gespräch in die MuKo-Kantine ein.

Fotos einer belebten Karriere!

Jennifer Porto:  Wussten Sie immer, dass Sie Sängerin werden möchten?

Margarete Junghans: Das war bei mir ganz putzig! Meine Eltern waren Bauern. Durch den erzwungenen Eintritt in die LPG erkannten meine Eltern die Perspektivlosigkeit des Bauernberufes und waren also sehr offen dafür, dass ich nicht in ihre Fußstapfen trete. Und da ich schon als Kind eine schöne Stimme hatte, sagte meine Mutter kurzerhand, dass ich eben Sängerin werden sollte! Auch in der Schule wurde ich unterstützt, vor allem von meinem Musiklehrer, ich habe dort oft bei Veranstaltungen gesungen. Nun, und ohne ganz genau zu wissen, was mich erwarten wird, bin ich nach Leipzig gegangen um hier an der Hochschule zu studieren.

Haben Sie im Studium schon Ihre Leidenschaft für die Operette entdeckt?

Ja, unbedingt! Operette kannte ich von zu Hause! Wir hatten ein Radio, und wenn man das Radio aufdrehte, was kam? – Schlager oder Operette. Und Operette, das war leicht. Das war schön! Da hat man zugehört, und das kannte man. Andere Studierende wollten immer die großen Stimmfächer singen, und ich hab eben gesagt: „Ne, Operette ist doch wunderschön, genau das will ich machen.“ Außerdem ist die Spielfreude eine ganz andere als in der Oper. Ich kann mich bewegen, tanzen! – Das fand ich immer toll.

Im Studium drehte sich dann hier in Leipzig vieles um Bach. Zum Glück war aber einer meiner Lehrer, ein gewisser Herr Weit, der damaliger Leiter der MuKo. Er fand es schön, dass ich immer von Operetten schwärmte. Nun, letztlich hat er mich engagiert! So habe ich meine Karriere begonnen, als Operettensoubrette an der Musikalischen Komödie und genau dort werde ich meine Bühnenkarriere auch beenden. Das ist schon etwas sehr besonders für mich.

Als Cupido bei Orpheus in der Unterwelt!

Welche Tipps würden Sie aus Ihrer reichen Erfahrung heraus heute jungen Kolleginnen und Kollegen geben?

Man muss ehrgeizig sein. Man muss unheimlich flexibel sein. Es ist schwerer geworden heute, ganz anders als damals bei uns. Wir hatten unsere Stellen wirklich sicher! Als ich hier engagiert wurde, war klar, dass ich bis zu meiner Rente an diesem Haus bleiben kann. Das ist schön so, weil man dem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechende Rollen erarbeiten kann, die das eigene Können zeigen, aber auch herausfordern. Meine zweite Rolle an der MuKo war der Cupido aus „Orpheus in der Unterwelt“, das ist eine klassische Soubrettenpartie für junge Sängerinnen. Zehn Jahre später habe ich im selben Stück die Diana gesungen, wieder 15 Jahre später die „Juno“ als „Komische Alte“! Wir hatten immer 15 oder 16 Stücke während einer Spielzeit im Repertoire. Natürlich wurde jeden Abend gespielt, im Monat kam jedes Stück zweimal. Das bringt viel Übung und Erfahrung, schließlich muss sich jeder Darsteller die Bühne selbst erarbeiten.

Das ist sicherlich auch sehr anstrengend gewesen!

Ja absolut! Die Stücke waren aber allesamt hervorragend probiert, so dass jeder Gang und jede Note sich letztlich doch in den Körper eingeschrieben hat! Es war eine Herausforderung, aber es ging gut. Ich habe mich in meinem ersten Vertrag für 110 Vorstellungen verpflichtet. 150 habe ich gemacht! Und so ging es eigentlich immer weiter. Es waren wunderbare Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Hier zwar nicht als Wirtin, dafür aber als bezaubernde Ottilie im "weißen Rössl"

Sie haben 1974 an der MuKo angefangen, dann sind das bis heute ja über …

2000 Vorstellungen. Ja!

Haben Sie eigentlich eine Lieblingspartie?

Nicht direkt, aber ich hab mir immer gewünscht, dass ich die „Rössl“-Wirtin spielen darf. Und das ist

mir in Erfüllung gegangen.

An welche kuriosen Erlebnisse Ihres Theaterlebens denken Sie heute noch gerne zurück?

In den ersten Jahren meines Engagements haben wir „Die keusche Susanne“ gespielt. Da gibt es die Rolle der Rosa, das ist eine sächsische Tänzerin. Ich habe mich erst gegen diese Rolle gesträubt, das Sächsische lag mir nicht so sehr, das mochte ich nicht gerne sprechen. Heute finde ich ein leichtes Sächsisch im Übrigen sehr sympathisch! Es nütze damals aber nichts! – Also habe ich mich in die Straßenbahn gesetzt und den Leuten zugehört, wie sie sprechen und versucht es zu kopieren. Und es gab dann eine bestimmte Szene: Jemand fragt diese Rosa, die Tänzerin aus Sachsen, wo sie herkommt und sagt ihr, dass sie so einen schönen Dialekt hat! – Ich habe die Antwort während der Proben immer auf Hochdeutsch gegeben! Ich wollte mir den Spaß für die Premiere aufheben und habe dann im besten Sächsisch geantwortet: „Sie woll’n mich wohl verscheißern!“ – Die gesamte erste Reihe, samt Dirigent Roland Seiffarth, ging vor Lachen in die Knie. Das war schon kurios und witzig. Aber es lehrt auch etwas Entscheidendes über Theater: Man kann alles auf der Bühne sagen, wenn man es charmant sagt, das ist wichtig!

Wie hat sich Ihrer Meinung nach Theater im Laufe der Jahre verändert?

Nun, das kann ich nur aus meinem Gefühl heraus für die Operette sagen. Mich wundert heute ein gewisser Drang, zu allen Stücken neue Textbücher verfassen zu müssen. Regisseure und auch Dramaturgen sagen immer, dass man viele Stücke nicht mehr spielen kann, weil das Libretto nicht ins Heute passt. Dabei glaube ich, dass viele Operetten noch einen sehr aktuellen Zeitbezug haben! Zum Beispiel „Bettelstudent“: Wenn man den Text liest! – Diese Korruption! Das Schmieren! Mein Gott, das gibt es heute an jeder Ecke. Ich denke, das versteht man heute so gut als damals. Und ansonsten ist Theater immer in Veränderung begriffen, das liegt denke ich in seinem Wesen … Gerade von der Operette sagt man ja oft, dass sie veraltet sei. Und als ich angefangen habe, fragte ich mich, ob wir in 20Jahren noch ein volles Haus haben werden! Und nun? Nun bin ich schon 40 Jahre hier und das Publikum ist immer noch da! Wir sind ein voll ausgelastetes Haus. Das Publikum wächst nach, es gibt immer noch so viele Menschen, die Operette und Musical lieben, das freut mich natürlich sehr.

Was wünscht sich das heutige Publikum von Theater?

Ich glaube, dass man gerade in heutigen Zeiten einfach mal abschalten möchte! Einen schönen Abend haben … Das ist wichtig. Und natürlich hat sich das Theater – wie gesagt – auch verändert. Ich kann ja die Operette heute nicht so spielen, wie ich sie vor 15 Jahren gespielt habe. Es muss schon ein bisschen zeitgemäßen Fluss haben.

Margarete Junghans als Christel von der Post!

Gibt es in Ihrem langem Theaterleben eine Rolle, die sie besonders oft gespielt haben?

Unsere Inszenierungen liefen immer sehr lange. Wir haben mindestens über zwei, drei Spielzeiten ein Stück laufen lassen. Es waren so viele Rollen … Die schönsten Partien waren immer die, an denen man sehen konnte, wie man sich selber verändert hat. Ich habe die Christel von der Post aus Zellers „Vogelhändler“ zwei Mal spielen dürfen. Beim zweiten Mal war ich 38 oder 40 und wollte die Christel nicht mehr spielen. Ich habe mich zu alt dafür gefühlt. Meine Gesangslehrerin sagte aber, dass ich die Partie erst jetzt richtig schön singen könne. Und das war wirklich so. Da hat man einen ganz anderen Zugang zu der Rolle gefunden.
Die kleinen Ausflüge in die Oper waren auch sehr schön. In der „Zauberflöte“ habe ich mal gesungen!

Wie schön! Mit der „Zauberflöte“ habe ich debütiert und zwar als zweiter Knabe!

Ja! Genau den habe ich auch gesungen! Wir hatten damals eine ganz tolle Besetzung. Regina Werner als erster Knabe und Gisela Pohl als dritter! Sie war damals eine ganz bekannte Altistin. Wir drei waren die Knaben. Es war eine ganz tolle Inszenierung von Prof. Herz. Wir hatten wunderbare Fahrten in den Bühnenhimmel auf einer Gondel, das hat sehr viel Spaß gemacht.

Als Carla Schlumberger in der "Zirkusprinzessin" verabschiedet sich Frau Junghans von der Bühne.

Im November gehen Sie nun in den „Ruhestand“. Wie fühlen Sie sich?

Ich finde es gut, wenn das Publikum sagt „Schade, dass sie schon aufhört!“ – Viele meiner Kollegen sind mit 60 in Rente gegangen, ich verabschiede mich nun mit 62 von der Bühne.

Was wird Ihre letzte Vorstellung sein?

Die „Zirkusprinzessin“ am 27. November. Da gibt es einen schönen Bogen – von Anfang bis Ende: Der erste Satz den ich auf einer Theaterbühne gesagt habe, lautete: „Da bin ich!“ und der letzte lautet nun: „Der alte Herrgott, der meint es wirklich gut.“ Und ja, das kann ich genauso unterschreiben!

Musikalische Komödie

Vermis auris perforarus

Am Samstag feiert "Das Fürstenkind" an der MuKo Premiere. Passend dazu klärt Dramaturgin Bettina Bartz über Ohrwürmer und die Verbindung zwischen Lehár und Puccini auf!

Weil es im Musiktheater alle immer so ganz genau wissen wollen, gibt es Dramaturgen. Und deren einziger Lebenszweck ist es, jedweden Wissensdurst zu befriedigen und alle über alles aufzuklären, und zwar in jeder erdenklichen Hinsicht: musikalisch, literarisch, politisch und biologisch. Immer wieder stoßen wir dabei auch in zoologische Bereiche vor, wie bei der Begegnung mit den Elchen in „Così fan tutte“ oder mit Enten und Fischen im Kindermärchen „Arabische Prinzessin“ .

Sie kriechen durch den Klavierauszug und bleiben im Ohr: Lehárs Ohrwürmer!

Anlässlich der bevorstehenden Lehárpremiere am Samstag, den 22. Oktober, trifft man jetzt in der MuKo wieder den Vermis auris perforarus, den gemeinen Ohrwurm. Für die neue Aufführungs-Serie „Operette anders!“ wird die halb konzertant, halb tänzerisch-pantomimisch dargebotene Aufführung von „Das Fürstenkind“ geprobt. Schon springt er uns an: „Heia und tausendmal Heia“ schmettert der Radoslaw Rydlewski, unser aller Lieblingstenor. Da haben wir den Wurm im Ohr und er wird uns für die nächsten Tage, Wochen oder Monate nicht mehr verlassen. „Heia“ singt er, und Hatschi Stavros heißt er, weil er nämlich ein griechischer Räuberhauptmann ist, „ein Pallikar, wie je einer war“, einer, der sich „Fürst der Berge“ nennt und Touristen zwar ausraubt und als Geisel nimmt, aber gleichzeitig wie ein Gentlemen bewirtet. Modern denkend sieht er die Beraubten als seine Geschäftspartner, er bekommt sein „Lösegeld nur gegen Quittung“ (so hieß die deutsche Ausgabe des dem Stück zugrunde liegenden französischen Bestsellers „Der König der Berge“). Schließlich geht auch die Räuberei mit der Zeit, statt der Bande führt Hatschi Stavros nun eine Aktiengesellschaft und sein Unternehmen an die Börse. Scheint Ihnen das verwirrend? Ein bisschen schräg vielleicht? Oder sogar absurd? Verkehrte Welt? Keine Angst, das ist ein gutes Zeichen! Behalten Sie Ihren Humor und entdecken Sie den Spaß an der Verkehrung, wie er eben für Operetten typisch ist, spätestens seit der berühmten „Bettleroper“ von John Gay, die nach dem allerersten großen Börsenkrach 1720 in London ein Riesenhit wurde und heute noch in der Brechtschen Bearbeitung als „Dreigroschenoper“ die These verbreitet, dass ein Dietrich doch gar nichts ist gegen eine Aktie. Doch zurück zu unserem Ohrwurm, der nicht totzukriegen ist. Wahrscheinlich weil der Regisseur Volker Vogel über den Tenorberuf zum Theater kam, schlendert er momentan immer mit einem fröhlichen „Heia und tausendmal Heia“ auf die Probe. Dieses Lied hätte ein richtiger Schlager werden können, wenn ihn Richard Tauber 1932 in der Berliner Aufführung der Operette gesungen hätte, doch als Franz Lehár 1909 seine Operette „Das Fürstenkind“ schrieb, komponierte er noch für Louis Treumann, den damaligen Star der Wiener Operettenszene und es gab noch keine CDs. Interessantes Detail: Lehár überschrieb den Refrain mit „Maestoso“ und gab dem Orchester ein gewaltiges Crescendo, in dem alle griechischen Gebirge nur so widerhallen. Denn wenn sein Fürstentitel auch kein echter Adel ist, so singt er doch sein „Fürstenkind“ mit gewaltiger Geste in die Heia. Sein Kind lässt er übrigens im Unklaren über seine Doppelexistenz – schließlich braucht jede Operette ihr besonderes Geheimnis. Es weiß also von nichts, das gute schöne Fürstentöchterchen Photini, aber Sie und ich, wir wissen alles! Wir wissen auch, dass Lehár mit Giacomo Puccini befreundet war und dass beide Komponisten sich gegenseitig bewunderten. Kein Wunder, denn der Vermis auris perforarus (siehe oben) kommt auch bei Puccini gehäuft vor.

In Freundschaft verbunden: Persönliche Widmung Piccinis an Lehár.

Momentan können Sie in der Oper Leipzig ein besonders typisches Exemplar bewundern: „Wie sich die Bilder gleichen“ besingt dort der Maler Cavaradossi sein Gemälde und seine Geliebte Tosca. In „recondita armonia = verborgener Harmonie“ lassen sich auch viele Gemeinsamkeiten zwischen Lehár und Puccini finden, wenn Sie danach suchen. Also auf ins Theater! Manchmal gehen einem die tenoralen Würmer dann allerdings gar nicht mehr aus dem Ohr, so dass man zu gewaltsamen Mitteln getrieben wird. So erklärt sich jedenfalls eine Dramaturgin die mörderische Attacke der Sängerin Tosca auf den Bariton Scarpia. Warum sie ihn erdolchen muss? Natürlich weil auch er nur das Eine wollte, nämlich mit ihr in die „Heia, und tausendmal Heia!“

Musikalische Komödie

Lehárs “Fürstenkind” – erste MuKo Premiere der Saison.

Am 22.10. feiert die MuKo mit Lehárs "Das Fürstenkind" ihre erste Premiere dieser Spielzeit. Für ein Fotoshooting schlüpften die Sänger der Hauptpartien Mirjam Neururer und Radoslaw Rydlewski in die Rolle von Stummfilmstars der Entstehungszeit. Der Stummfilm stand nämlich ästhetisch Pate, warum, wird in der Aufführung klar werden, die nicht von ungefähr unter der Reihe "Operette anders!" daherkommt.

Stelle Dir felsige griechische Gebirgslandschaften vor und dazu ein großes Filmorchester. „Das Fürstenkind“ handelt von einem griechischen Räuberhauptmann, der seine Tochter wie eine Prinzessin verwöhnt. Allerdings ist dieser Räuberhauptmann, den Lehàrs Librettisten aus dem 1856 erschienenen Roman „Der König der Berge“ von Edmond About borgten, kein gewöhnlicher Robin Hood mehr, sondern schon längst auf dem Weg in die Moderne. „Lösegeld nur gegen Quittung“ – so lautet die Devise, und wir erleben, wie das Räuberhandwerk an die Börse geht. Zufällige Ähnlichkeiten sind natürlich völlig unbeabsichtigt und wie die beiden mit der Handlung verwobenen Liebesgeschichten ausgehen, verraten wir jetzt auch noch nicht. Soll ja spannend bleiben bei unserer “Operette anders!”

Musikalische Komödie

Unfreiwillige Dreiecksbeziehung in der Waffenschmiede

Das Fräulein von Katzenstein ist die ewige Kralle in der Ferse des wild fauchenden Grafen von Liebenau. Er liebt ja die Waffenschmiedstochter Marie und kann sich nur in der Verkleidung als Schmiedegeselle Konrad auf Brautwerbung begeben. Zum Glück ist er damit vorerst die rollige Adelsdame los, obwohl? - Irgendwie schnurrt sie dennoch ständig um seine Füße ... Und wenn nicht sie selbst, dann bedient sie sich des Ritters Adelhof als Postillon d’amour.

Am Anfang war das Feuer. Das lodert und flackert nun munter in Stadigers Waffenschmiede. Wo Feuer und Öfen sind, sind auch Katzen nicht weit. Sie sind immer dort, wo es heiß her geht. So schleicht sich auch die von Katzenstein immer wieder ins Geschehen ein, obwohl sie eigentlich nie auf der Bühne zu sehen ist. Das dies mitunter zu Absurditäten führen kann, illustriert extra für uns Kostümbildnerin Annette Braun.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer jetzt das Gefühl hat seinen eigenen Schwanz zu jagen, der kann sich HIER wieder in die richtigen Bahnen bringen. Sie finden utner unserem Link die Kurzhandlung zum nachlesen!

Und nicht vergessen: Die Premiere vom „Waffenschmied“ ist diesen Samstag, 21.05.2011, um 19 Uhr in der MuKo!

Musikalische Komödie

“Verrückt und liebenswert zugleich!”

Carolin Masur im Interview zum "Waffenschmied"

Figurine der Irmentraut zu Lortzings Waffenschmied von Kostümbildnerin Annette Braun

Die Mezzosopranistin Carolin Masur spielt in der neuen „Waffenschmied“-Inszenierung die Rolle der Irmentraut, der Erzieherin von Marie. Manchmal wird diese Stückfigur etwas einschichtig als mannstolle alte Jungfer dargestellt. Wir fragten die Sängerin danach, was für eine Frau diese Irmentraut  aus ihrer Sicht ist?
Auf der Grundlage der Musik, der Texte und der Ideen des Regisseurs habe ich versucht, mir die Rolle einer Frau zu bauen, die sehr verantwortungsvoll mit ihrer Aufgabe als Ersatzmutter für Marie umgeht. Sie wurde sozusagen in diese Rolle reingeschmissen als Stadinger sie vor vielen Jahren aus Verzweiflung ins Haus holte, um das kleine Kind, mit dem ihn seine Frau allein gelassen hatte, aufzuziehen. Sie  wusste vielleicht selbst nicht, worauf sie sich da einließ und wie lange sie dafür im Haus bleiben sollte. Und nun stellt sich heraus, sie ist so lange dageblieben bis dieses „Kind“ verheiratet wird. Im Laufe der Jahre ist Irmentraut in die Rolle der Ersatzmutter hineingewachsen und geht darin auf. Sie fühlt sich auch erzieherisch sehr verantwortlich für Marie. Vielleicht  ist sie auch manchmal etwas übermütterlich. Mit diesem Tick zuviel will sie für Marie sorgen und ihr Entscheiden abnehmen.  Aus ihrer Sicht will sie das Beste für Marie. Deshalb möchte sie auch, dass sie möglichst gut verheiratet wird.

Marie hat ja in unserer Inszenierung einen starken emanzipatorischen Anspruch. Sie möchte ihr Leben gern selbst in die Hand nehmen und den Mann wählen, den sie auch wirklich liebt. Könnte man sagen, dass Irmentraut hingegen ein eher rückwärts gewandtes Frauenbild vertritt?
Sie würde es schon lieber sehen, wenn Marie dem Werben des Grafen erliegen würde als dass sie sich mit dem „Schmiedegesellen Konrad“ abgibt. Sie will ja auch, dass es ihr finanziell gut geht. Ein weiterer Grund für ihre Vorliebe für den Grafen ist vielleicht noch, dass Irmentraut ihn selber attraktiv findet. Das versuche ich auch zu spielen. Immer, wenn der Graf kommt, lasse ich meinen Gedanken: „Ist das ein schmucker junger Mann“, durchblicken.

Und wie ist Irmentrauts Verhältnis zu Stadinger? Sie ist ja schon lange bei ihm  im Haus und es läge nahe, dass sich beide sehr annähern im Laufe der Zeit?
Ja, das glaube ich auch. Da wird sicher was gewesen sein mit dem Stadinger. Ob die beiden aber „offiziell“ ein richtiges Paar werden, weiß man nicht, das kann gern offen bleiben für die Fantasie…

Wie ist Ihre persönliche Beziehung zu dieser Figur, können Sie sich in Irmentraut hineinversetzen?
Ich versuche, mich in die Situation dieser Ersatzmutter ein wenig einzufühlen. Das ist  psychologisch durchaus verrückt, weil ich selbst mit einer zweiten Mutter groß geworden bin und ich nun von der anderen Seite her, von der der Erzieherin, in dieser Rolle auch eigenes Erleben wiederentdecke.

Der Typus solcher Figuren wie Irmentraut wird ja auch mit „Komische Alte“ bezeichnet: Ist Irmentraut in Lortzings „Waffenschmied“ – neben aller Ernsthaftigkeit – auch komisch?
Auf jeden Fall. Sie ist eine skurrile Frau und mit all ihren Verrücktheiten, die sie zum Wohl anderer tun will, hoffentlich auch komisch. Das wäre jedenfalls das Schönste, wenn ich das zeigen könnte mit dieser Rolle. Verrückt und liebenswert zugleich. Ich freu mich auf die Inszenierung!

 

Das Interview führte Dramaturgin Marita Müller.