
Figurine der Irmentraut zu Lortzings Waffenschmied von Kostümbildnerin Annette Braun
Die Mezzosopranistin Carolin Masur spielt in der neuen „Waffenschmied“-Inszenierung die Rolle der Irmentraut, der Erzieherin von Marie. Manchmal wird diese Stückfigur etwas einschichtig als mannstolle alte Jungfer dargestellt. Wir fragten die Sängerin danach, was für eine Frau diese Irmentraut aus ihrer Sicht ist?
Auf der Grundlage der Musik, der Texte und der Ideen des Regisseurs habe ich versucht, mir die Rolle einer Frau zu bauen, die sehr verantwortungsvoll mit ihrer Aufgabe als Ersatzmutter für Marie umgeht. Sie wurde sozusagen in diese Rolle reingeschmissen als Stadinger sie vor vielen Jahren aus Verzweiflung ins Haus holte, um das kleine Kind, mit dem ihn seine Frau allein gelassen hatte, aufzuziehen. Sie wusste vielleicht selbst nicht, worauf sie sich da einließ und wie lange sie dafür im Haus bleiben sollte. Und nun stellt sich heraus, sie ist so lange dageblieben bis dieses „Kind“ verheiratet wird. Im Laufe der Jahre ist Irmentraut in die Rolle der Ersatzmutter hineingewachsen und geht darin auf. Sie fühlt sich auch erzieherisch sehr verantwortlich für Marie. Vielleicht ist sie auch manchmal etwas übermütterlich. Mit diesem Tick zuviel will sie für Marie sorgen und ihr Entscheiden abnehmen. Aus ihrer Sicht will sie das Beste für Marie. Deshalb möchte sie auch, dass sie möglichst gut verheiratet wird.
Marie hat ja in unserer Inszenierung einen starken emanzipatorischen Anspruch. Sie möchte ihr Leben gern selbst in die Hand nehmen und den Mann wählen, den sie auch wirklich liebt. Könnte man sagen, dass Irmentraut hingegen ein eher rückwärts gewandtes Frauenbild vertritt?
Sie würde es schon lieber sehen, wenn Marie dem Werben des Grafen erliegen würde als dass sie sich mit dem „Schmiedegesellen Konrad“ abgibt. Sie will ja auch, dass es ihr finanziell gut geht. Ein weiterer Grund für ihre Vorliebe für den Grafen ist vielleicht noch, dass Irmentraut ihn selber attraktiv findet. Das versuche ich auch zu spielen. Immer, wenn der Graf kommt, lasse ich meinen Gedanken: „Ist das ein schmucker junger Mann“, durchblicken.
Und wie ist Irmentrauts Verhältnis zu Stadinger? Sie ist ja schon lange bei ihm im Haus und es läge nahe, dass sich beide sehr annähern im Laufe der Zeit?
Ja, das glaube ich auch. Da wird sicher was gewesen sein mit dem Stadinger. Ob die beiden aber „offiziell“ ein richtiges Paar werden, weiß man nicht, das kann gern offen bleiben für die Fantasie…
Wie ist Ihre persönliche Beziehung zu dieser Figur, können Sie sich in Irmentraut hineinversetzen?
Ich versuche, mich in die Situation dieser Ersatzmutter ein wenig einzufühlen. Das ist psychologisch durchaus verrückt, weil ich selbst mit einer zweiten Mutter groß geworden bin und ich nun von der anderen Seite her, von der der Erzieherin, in dieser Rolle auch eigenes Erleben wiederentdecke.
Der Typus solcher Figuren wie Irmentraut wird ja auch mit „Komische Alte“ bezeichnet: Ist Irmentraut in Lortzings „Waffenschmied“ – neben aller Ernsthaftigkeit – auch komisch?
Auf jeden Fall. Sie ist eine skurrile Frau und mit all ihren Verrücktheiten, die sie zum Wohl anderer tun will, hoffentlich auch komisch. Das wäre jedenfalls das Schönste, wenn ich das zeigen könnte mit dieser Rolle. Verrückt und liebenswert zugleich. Ich freu mich auf die Inszenierung!
Das Interview führte Dramaturgin Marita Müller.